Der Film · 1:05
Licht nach Norm.
Wie hell muss es im Klassenzimmer sein? Die Antwort steht in der DIN EN 12464-1, der Norm für die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen. Seit ihrer Fassung von 2021 gilt im Klassenzimmer ein Wartungswert von 500 Lux – im Mittel über die Fläche und auch noch nach Jahren Betrieb.
Ob das Licht die Werte erreicht, zeigt erst die Messung. Im Juli 2026, rund vier Wochen bevor das LEO-Gymnasium in Dresden seinen Neubau bezogen hat, wurde dort nachgemessen. Der Film erklärt die Regeln in einer Minute, darunter steht alles im Einzelnen.
Die Norm
Was im Klassenzimmer gilt
Die DIN EN 12464-1 nennt für jede Raumart, wie hell es sein muss, wie gleichmäßig das Licht verteilt ist, wie stark Leuchten blenden dürfen und wie natürlich Farben wirken. Für das Klassenzimmer verlangt die Fassung von 2021 im Mittel 500 Lux – in der Fassung von 2011 waren es noch 300.
Die 500 Lux sind ein Wartungswert. Sie müssen auch dann noch erreicht werden, wenn Leuchten gealtert und verstaubt sind. Eine neue Anlage liefert deshalb mehr Licht – wie viel mehr, legt der Wartungsfaktor aus dem Lichtplan fest. Ein Rechenbeispiel: Bei einem Wartungsfaktor von 0,8 sind es neu 625 Lux.
Die Werte im Klassenzimmer
Helligkeit
500lx
Beleuchtungsstärke im Mittel, als Wartungswert – 2011 waren es 300 lx
Gleichmäßigkeit
60%
der kleinste Messwert erreicht mindestens 60 % des Mittelwerts (Uo ≥ 0,60)
Blendung
19UGR
Grenzwert, berechnet aus den Daten der Leuchten – messen lässt er sich nicht
Farbwiedergabe
80Ra
mindestens – damit Farben natürlich wirken
Werte: DIN EN 12464-1:2021-11, Klassenzimmer (nach dem licht.de-Leitfaden zur Norm)
An der Tafel gelten ebenfalls 500 Lux – senkrecht gemessen, denn dort wird gelesen. Die Norm selbst ist kein Gesetz: Verbindlich wird sie über den Bauvertrag, und sie gilt als anerkannte Regel der Technik. Für Lehrkräfte als Beschäftigte gilt zusätzlich die Arbeitsstättenregel ASR A3.4. Sie verlangt für Unterrichtsräume mindestens 300 Lux.
Die Messung
Vor der Übergabe, Punkt für Punkt
Gemessen wird auf einem Raster. Wie dicht die Punkte liegen, hängt von der Raumgröße ab – in einem neun Meter langen Klassenzimmer etwa alle 93 Zentimeter. Gemessen wird auf Tischhöhe, 0,75 Meter über dem Boden, mit einem kalibrierten Messgerät. Weil nur das Kunstlicht zählt, misst man bei Dunkelheit. Geht das nicht, misst man mit und ohne Kunstlicht und rechnet die Differenz.
Der Grundriss liegt auf dem Tablet. Die Messwerte werden direkt eingetragen.
Ein kleines Spektrometer misst die Beleuchtungsstärke in Lux, die Lichtfarbe in Kelvin und wie neutral das Weiß ist.
Punkt für Punkt wird gemessen – auf Fluren und Treppen knapp über dem Boden.
Aus allen Punkten ergeben sich Mittelwert und Gleichmäßigkeit – die Grundlage für die Abnahme.
Das Gerät auf den Bildern ist ein Konica Minolta CL-70F. Neben der Beleuchtungsstärke zeigt es die Farbtemperatur und den Δuv-Wert: Er sagt, wie weit das Licht von einem neutralen Weiß abweicht.
Die Abnahme
Wer prüft was
Die Abnahme erklärt der Bauherr. Ob die vereinbarte Helligkeit erreicht ist, zeigt die Messung: Der gemessene Mittelwert, verrechnet mit dem Wartungsfaktor, darf den Wartungswert nicht unterschreiten – und die Gleichmäßigkeit muss stimmen.
Eine gesetzliche Pflicht, dass der TÜV die Helligkeit im Klassenzimmer misst, gibt es in Sachsen nicht. Vorgeschrieben ist aber, dass anerkannte Prüfsachverständige – sie arbeiten zum Beispiel bei TÜV-Gesellschaften – bestimmte Sicherheitsanlagen einer Schule vor der ersten Inbetriebnahme prüfen, etwa die Sicherheitsstromversorgung. Für das Notlicht gelten eigene Werte: Auf Fluchtwegen reicht mindestens 1 Lux, dafür muss es bei Stromausfall nach wenigen Sekunden da sein.
01
Arbeitslicht
Im Mittel 500 Lux auf Tischhöhe, gleichmäßig und blendfrei – nach DIN EN 12464-1.
02
Notlicht
Mindestens 1 Lux auf dem Fluchtweg, nach Stromausfall in Sekunden da – nach ASR A2.3.
03
Prüfung
Sicherheitsanlagen prüfen anerkannte Prüfsachverständige vor der ersten Inbetriebnahme.
Der Neubau in Zahlen
FAE Elektrotechnik hat im Neubau des Gymnasiums LEO an der Bodenbacher Straße die Starkstromanlagen errichtet. Seit dem 17. August 2026 wird dort unterrichtet.
Schule
900Plätze
für Schülerinnen und Schüler im vierzügigen Gymnasium mit Dreifeld-Sporthalle
Allgemeinlicht
1.115LED-Leuchten
laut Ausschreibung der Starkstromanlagen
Einbauspots
2.096Stück
laut Ausschreibung
Notlicht
455Sicherheitsleuchten
dazu 119 Rettungszeichenleuchten, laut Ausschreibung
Zahlen: Landeshauptstadt Dresden (Pressemitteilung vom 14.08.2026) und Ausschreibung Starkstrom, Los 423a (TED 412770-2024)
TibiaRohrleuchte fürs Labor · FAE ecoled
Quellen
- DIN EN 12464-1:2021-11 Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten – Teil 1: Arbeitsstätten in InnenräumenDIN Media (öffnet in neuem Tab)
- Leitfaden zur DIN EN 12464-1licht.de · licht.wissen (öffnet in neuem Tab)
- Technische Regeln für Arbeitsstätten ASR A3.4 „Beleuchtung und Sichtverbindung“Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (öffnet in neuem Tab)
- DGUV Regel 102-601 „Branche Schule“Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (öffnet in neuem Tab)
- Sächsische Technische Prüfverordnung (SächsTechPrüfVO)REVOSax (öffnet in neuem Tab)
- § 640 BGB – AbnahmeGesetze im Internet (öffnet in neuem Tab)
- CL-70F Illuminance Spectrophotometer – KatalogKonica Minolta Sensing (öffnet in neuem Tab)
- Dresden startet ins neue Schuljahr 2026/2027Landeshauptstadt Dresden · 14.08.2026 (öffnet in neuem Tab)
- Bekanntmachung vergebener Aufträge: Gymnasium LEO, StarkstromanlagenTED – Amtsblatt der EU (öffnet in neuem Tab)



